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Re: Keine Panik ...

Di, 24. Mai 2005, 18:00

MashMan hat geschrieben:
das Problem hierzulande ist die stagnierende Binnennachfrage.

Das ist aber nun wirklich viel zu kurz gegriffen. Eine starke Binnennachfrage würde keines der Probleme lösen, sondern sie nur ein wenig abmildern.

MashMan hat geschrieben:
Die resultiert aus der Angst der Leute vor der Zukunft. Diese Angst hat die SPD nicht nehmen können, im Gegenteil: durch ihr Herumgeeier. In den letzten sieben Jahren hat sie stark zur momentanen Unsicherheit beigetragen

Nun, das behaupten Wirtschaft, Opposition und Gewerkschaft gerne, um der Regierung die Schuld in die Schuhe zu schieben, das ist aber nur die halbe Wahrheit. Für die Kaufzurückhaltung gibt es in Wirklichkeit unzählige weitere Gründe, zB:
-heutzutage sind viele schlicht und einfach nicht mehr bereit, für etwas (viel) Geld auszugeben. Schuld daran ist nicht zuletzt die Wirtschaft selbst. Wieso? Nun, wer einmal mit einem "schließt einen Vertrag ab und ihr bekommt das 200DM/€-Handy geschenkt" lockt, der braucht sich nicht zu wundern, wenn er später nichts mehr bekommt, wenn er den vollen Preis verlangt. Geiz ist geil? Genau, Saturn, also wundert euch nicht, wenn die Leute nur bei euch einkaufen, wenn ihr die Sachen zum Einkaufspreis abgebt. Überhaupt trauen sich heute nur noch wenige, viel Geld für etwas auszugeben, bei dem sie rechnen müssen, dass es einen Tag später dank Angebot nur noch die Hälfte kostet. Usw usf. Tja, die Wirtschaft bekommt nunmal die Kunden, die sie verdient.
-ganz simpel: viele Leute haben auch einfach nicht mehr die Mittel, um bedingungslos dem Konsum zu frönen. Da muss man auch gar nicht mal in die Hartz4-Ecke gehen, sondern braucht sich nur mal die unglaubliche Zahl an privaten Insolvenzen anzuschauen.
Zuletzt geändert von Cloud am Di, 24. Mai 2005, 18:16, insgesamt 1-mal geändert.
 
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Di, 24. Mai 2005, 19:37

Lafontaine will die SPD verlassen und evtl. der WASG beitreten, sofern sich diese zur Bundestagswahl mit der PDS zusammentut. Wer weiß, vielleicht eine Wahlalternative für mich, momentan würde ich mein Kreuz wohl über den gesamten Wahlzettel machen, weil ich keiner Partei mein Vertrauen aussprechen kann.

MashMan,
die CDU konnte 16 Jahre regieren. War das besser als jetzt die 7 Jahre der SPD?
Im Übrigen stimme ich Cloud zu, dass die Politik nicht an allem Schuld ist. Wenn die Großunternehmen im großen Stil entlassen, auslagern und Löhne kürzen, sinkt natürlich die Kaufkraft des Landes. Statt im Kaufhof muss man dann im C&A einkaufen, statt dem Brot beim Bäcker muss das vom Aldi reichen. Da wird schnell ein Teufelskreis raus.
Aber die FDP wird´s schon richten mit ihren großartigen "Konzepten"...
Bis bald
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Mi, 25. Mai 2005, 12:10

@Cloud:
>MashMan hat folgendes geschrieben:
das Problem hierzulande ist die stagnierende Binnennachfrage.

Das ist aber nun wirklich viel zu kurz gegriffen. Eine starke Binnennachfrage würde keines der Probleme lösen, sondern sie nur ein wenig abmildern.<

Ein wenig? Ganz massiv! Zumindest die momentane Wirtschaftskrise. Grundsätzlich muss natürlich was in pucto Gesundheit, Rente und Arbeit geschehen, das ist ganz klar.

>MashMan hat folgendes geschrieben:
Die resultiert aus der Angst der Leute vor der Zukunft. Diese Angst hat die SPD nicht nehmen können, im Gegenteil: durch ihr Herumgeeier. In den letzten sieben Jahren hat sie stark zur momentanen Unsicherheit beigetragen

Nun, das behaupten Wirtschaft, Opposition und Gewerkschaft gerne, um der Regierung die Schuld in die Schuhe zu schieben, das ist aber nur die halbe Wahrheit. Für die Kaufzurückhaltung gibt es in Wirklichkeit unzählige weitere Gründe, zB:
-heutzutage sind viele schlicht und einfach nicht mehr bereit, für etwas (viel) Geld auszugeben. Schuld daran ist nicht zuletzt die Wirtschaft selbst. Wieso? Nun, wer einmal mit einem "schließt einen Vertrag ab und ihr bekommt das 200DM/€-Handy geschenkt" lockt, der braucht sich nicht zu wundern, wenn er später nichts mehr bekommt, wenn er den vollen Preis verlangt.<

Naja, diese Geschichten gibt es aber schon länger - jede Spielkonsole funktioniert nach dem Coleman-Laternen-Prinzip, auch etwa Nassrasierer.
Prinzipiell hast Du aber recht, da muss sich was tun. Ich diskutiere immer mit meinem Bruder über Billigflieger, weil auch ich meine, dass man mit 30 Euro/Flug den echten Wert nicht mehr zu schätzen weiss. IMHO ist das aber nicht die Hauptursache der Kaufzurückhaltung.

>-ganz simpel: viele Leute haben auch einfach nicht mehr die Mittel, um bedingungslos dem Konsum zu frönen. Da muss man auch gar nicht mal in die Hartz4-Ecke gehen, sondern braucht sich nur mal die unglaubliche Zahl an privaten Insolvenzen anzuschauen.

Laut Spiegel gibt es in Deutschland 5 Billionen Euro Sparvermögen. Davon liegen rund vier Billionen in Händen von Millionäre und anderen Reichen, die also auch nicht mehr ausgeben würden, als sie jetzt schon tun. Das heißt aber auch, 80 Millionen Deutsche haben eine Billion euro zur Verfügung, macht 12.500 Euro pro Person, die konsumiert werden könnten. ich will keine amerikanischen Verhältnisse hier, aber dass keiner Geld hat, stimmt nicht.

@Sallust:
>MashMan,
die CDU konnte 16 Jahre regieren. War das besser als jetzt die 7 Jahre der SPD?

Ja. Denn rot-grün hat nicht ein Reformvorhaben erfolgreich abschließen können. Und: für einen Großteil des Stillstandes in den letzten Jahren Kohl ist die SPD mit ihrer damaligen Mehrheit im Bundesrat selbst verantwortlich. Das war lediglich machtpolitisches Kalkül, um selbst an die Regierung zu kommen. Nun muss die SPD sich nicht wundern, wenn der Gegner das Gleiche macht.

>Im Übrigen stimme ich Cloud zu, dass die Politik nicht an allem Schuld ist. Wenn die Großunternehmen im großen Stil entlassen, auslagern und Löhne kürzen, sinkt natürlich die Kaufkraft des Landes. Statt im Kaufhof muss man dann im C&A einkaufen, statt dem Brot beim Bäcker muss das vom Aldi reichen. Da wird schnell ein Teufelskreis raus.

Die Großunternehmen sind ja nur ein kleienr Teil der Arbeitgeber. Der mit Abstand größte Teil (ca. 80 Prozent) aller Arbeitnehmer wird vom Mittelstand beschäftigt. Also gilt es den zu fördern. Dass die Großkonzerne machen, was sie wollen, ist nichts Ungewöhnliches. Allerdings hat die SPD mit ihrer Steuerreform (Körperschaftssteuer) das problem noch wesentlich verschärft. Das war einfach handwerklich schlecht.

Ciao,

Martin Schnelle
 
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Mi, 25. Mai 2005, 12:31

MashMan hat geschrieben:
Ein wenig? Ganz massiv! Zumindest die momentane Wirtschaftskrise.

Wenn du das tatsächlich glaubst, dann glaubst du auch noch an den Weihnachtsmann...

Das heißt aber auch, 80 Millionen Deutsche haben eine Billion euro zur Verfügung, macht 12.500 Euro pro Person, die konsumiert werden könnten. ich will keine amerikanischen Verhältnisse hier, aber dass keiner Geld hat, stimmt nicht.

Ich habe nirgendwo gesagt, dass keiner Geld hat. Fakt ist aber, dass immer mehr Leute immer weniger Geld zum freien Konsum zur Verfügung haben. Du kannst hier noch so schöne Durchschnittsrechnungen vorführen, das sind und bleiben aber nunmal Durchschnittswerte, die nichts aber auch wirklich gar nichts über die tatsächliche Verteilung aussagen.

Ja. Denn rot-grün hat nicht ein Reformvorhaben erfolgreich abschließen können.

CDU und FDP haben in den letzten 10 Jahren ihrer Regierungszeit massiv Steuern erhöht, Sozialbeiträge erhöht, Subventionen eingeführt, Bürokratie ohne Ende erschaffen usw usf. Wer diese Politik allen Ernstes als gelungener empfindet als die der letzten Jahre, dem ist echt nicht mehr zu helfen. Im Gegensatz dazu ist es SPD und Grünen immerhin gelungen, trotz Wirtschaftsflaute die Steuern zu senken, sowie die Sozialbeiträge auf einem vernünftigen Niveau zu halten. Klar, dafür wurde natürlich an anderer Stelle gekürzt, aber die Richtung war definitiv die richtige, ganz im Gegensatz zu dem, was CDU und FDP jahrelang gemacht hatten.
Zuletzt geändert von Cloud am Mi, 25. Mai 2005, 12:35, insgesamt 1-mal geändert.
 
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Mi, 25. Mai 2005, 12:52

MashMan hat geschrieben:
Ja. Denn rot-grün hat nicht ein Reformvorhaben erfolgreich abschließen können. Und: für einen Großteil des Stillstandes in den letzten Jahren Kohl ist die SPD mit ihrer damaligen Mehrheit im Bundesrat selbst verantwortlich. Das war lediglich machtpolitisches Kalkül, um selbst an die Regierung zu kommen. Nun muss die SPD sich nicht wundern, wenn der Gegner das Gleiche macht.



Dann nenn doch mal ein Reformvorhaben das die Regierung Kohl in Bezug auf Rente (die war damals angeblich noch sicher, man erinnere sich an Nobbie Blühm auf der Leiter vor der Litfaßsäule), Arbeit oder Gesundheit angestoßen hat. Das die Reg. Kohl nichts bzw. nicht viel gemacht hat in Bezug auf diese Punkte, hat für meine Begriffe weniger mit der SPD Bundesratsmehrheit damals zu tun. Bei jeder Reform (bezogen auf diese Punkte) tut man jemandem weh (geht ihm ans Geld). Davor hatte die Regierung Kohl schiss, diese Machtgeilen Typen hatten alle nur Angst nicht wieder gewählt zu werden (genau das also was Schroeder jetzt wahrsch. passieren wird). Man erinnere sich auch an die immer kurz vor den Wahlen ausgeweiteten ABM Maßnahmen der Reg. Kohl.

Jedenfalls lag das nicht allein an "Oskars" Bundesratsmehrheit.

Am schlimmsten war am Sonntag imho dieser verlogene Roland -ich benutze angebl. jüdische Vermächtnisse um verschobene Schmiergeldmillionen aus der Schweiz wieder nach D zu bekommen- Koch, der gleich fiffimäßig der Merkel verbal den Arsch geküsst hat. Wie das auf einmal kommt? :-) Vorher erst voll auf Antimerkel machen und jetzt, wo man die Macht schon fast greifen kann, sowas.

Hardbern
Zuletzt geändert von Hardbern am Mi, 25. Mai 2005, 15:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Mi, 25. Mai 2005, 13:19

Hardbern hat geschrieben:
Jedenfalls lag das nicht allein an "Oskars" Bundesratsmehrheit.

Die im Übrigen eh erst relativ kurz vor Ende von Kohls Regierungszeit zustande gekommen ist. Davor konnten CDU und FDP jahrelang schalten und walten wie sie wollten (was sie ja auch getan haben mit ihren Steuererhöhungen etc s.o.). Rot-Grün hat dagegen schon sehr schnell nach dem Wahlsieg 98' seine Bundesratsmehrheit wieder verloren. Am Anfang hat das noch nicht allzuviel ausgemacht, da es immer relativ einfach gelang, 1-2 Unionsländer auf die Regierungsseite zu ziehen (bei der Steuerreform etc), schon bald aber war dies nicht mehr möglich, da die CDU dann eine deutlich Mehrheit hatte. Was danach folgte war faktisch eine große Koalition über den Bundesrat mit entsprechenden Kompromissen auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner.

Vorher erst voll auf Antimerkel machen und jetzt, wo man die Macht schon fast greifen kann, sowas.

Nunja, er wollte sich halt nochmal schnell einschleimen, um sich für einen Posten im Kabinett zu bewerben. Aber so wie es aussieht, war das wohl erfolglos und andere Ministerpräsidenten bekommen die wichtigen Posten (Stoiber, Müller). Tja, zu dumm, wenn man jahrelang auf das falsche Pferd gesetzt hat, jetzt müssen halt unsere Hessen weiter mit ihm auskommen :green:
 
MashMan
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Mi, 25. Mai 2005, 15:02

@Cloud:
>Ein wenig? Ganz massiv! Zumindest die momentane Wirtschaftskrise.

Wenn du das tatsächlich glaubst, dann glaubst du auch noch an den Weihnachtsmann...

Auf die Art hat das amerikanische Volk nach dem 11.9.01 ihren Wirtschaftseinbruch in Grenzen gehalten. Und dass die mangelnde Binnenachfrage unser Hauptproblem ist, ist ja wohl unbestritten. Am Export liegt's jedenfalls nicht, wir exportieren wie nie zuvor, trotz der ganzen Abwanderungsproblematik der Großkonzerne.

>Ich habe nirgendwo gesagt, dass keiner Geld hat. Fakt ist aber, dass immer mehr Leute immer weniger Geld zum freien Konsum zur Verfügung haben. Du kannst hier noch so schöne Durchschnittsrechnungen vorführen, das sind und bleiben aber nunmal Durchschnittswerte, die nichts aber auch wirklich gar nichts über die tatsächliche Verteilung aussagen.

Das sind ja schon korrigierte Werte. Wenn Du das Gesamt-Sparvermögen nimmst, kommt da noch wesentlich mehr Geld raus. In meinem Bekanntenkreis ist keiner, der nicht mittelfristig so viel Geld aufbringen könnte, wenn er denn müsste - selbst die Mutter meines Patenkindes nicht, die noch studiert und einen Mann hat, der sich von einer Zeitarbeitsfirma vermitteln lässt und somit mehr als die Hälfte der Zeit arbeitslos ist.


>Zitat:
Ja. Denn rot-grün hat nicht ein Reformvorhaben erfolgreich abschließen können.

CDU und FDP haben in den letzten 10 Jahren ihrer Regierungszeit massiv Steuern erhöht, Sozialbeiträge erhöht, Subventionen eingeführt, Bürokratie ohne Ende erschaffen usw usf. Wer diese Politik allen Ernstes als gelungener empfindet als die der letzten Jahre, dem ist echt nicht mehr zu helfen. Im Gegensatz dazu ist es SPD und Grünen immerhin gelungen, trotz Wirtschaftsflaute die Steuern zu senken,

Falsch. Die Steuerreform fand 2000 statt, vor dem New-Economy-Einbruch. Übrigens rechtzeitig, um mit der brillanten Körperschaftssteuerregelung schon mal den Finanzeinbruch für die nächsten Jahre vorzuprogrammieren. Ich wiederhole: es gibt nicht eine Reform, die funktioniert.
Was die Bürokratie und Subventionen angeht, hat die CDU nur einen Kurs weiter geführt, der von der SPD in den Siebzigern eingestellt wurde. Es heißt immer, es sei 16 Jahre nichts passiert, in denen übrigens so Kleinigkeiten wie die Wiedervereinigung waren. Tatsächlich ist der unbezahlbare Sozialstaat, den wir haben, von der SPD in den Siebzigern konstruiert worden. Übrigens hat die SPD zur gleichen Zeit dafür gesorgt, dass Beamte, die ja Rente und Pension bekommen, die Pension auf die Rente angerechnet wird. Also hatten wir von Mitte der Siebziger bis Ende der Achtziger nominell immer das gleiche Geld. Trotz des Einbezahlens in beide Kassen. Sehr gerecht.


>sowie die Sozialbeiträge auf einem vernünftigen Niveau zu halten. Klar, dafür wurde natürlich an anderer Stelle gekürzt, aber die Richtung war definitiv die richtige, ganz im Gegensatz zu dem, was CDU und FDP jahrelang gemacht hatten.

Das "linke Tasche, rechte Tasche"-Prinzip. Das bringt dem einzelnen Bürger letztendlich gar nichts.
 
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Do, 26. Mai 2005, 09:33

Ich bin eigentlich froh wenn es einen Machtwechsel gibt, da man es imho wirklcih kaum schlechter machen kann wie Rot/Grün. Außerdem wurde ja wenn etwas schlecht lief immer behauptet daß Schwarz/gelb es genauso schlecht gemacht hätte, jetzt werden wir mal sehen ob das wirklich stimmt.

Zum Thema Inlandsnachfrage: Eine erhöhte Inlandsumgfrage würde in der Tat viele Probleme lösen, denn gerade da fehlt es ja momentan. Am mangelnden Geld kann es wohl kaum liegen, laut einer neulich in der Zeitung veröffentlichten Statistik hat eine Familie mit Kind(ern) in Deutschland im Durchschnitt ein Nettoeinkommen von 37xx Euro im Monat.

Da frage ich mich: Sind Kinder inzwischen ein solches Luxusgut daß sie sich nur noch betuchte Familien leisten können oder wird bei uns auf extrem hohem Niveau gejammert.

Selbst wenn man 1000 Euro für Wohnung und 1500 Euro für sonstigen Lebensunterhalt abzieht bleiben dann ja immer noch 1200 Euro für reinen Konsum, was ich schon relativ komfortabel finde.

Ich denke daher auch die Kaufzurückhaltung kommt eher von der schlechten Stimmung, die zum einen aus der Politik kommt, zum anderen aber sicher auch aus dieser dummen geiz ist Geil Mentalität die die großen Ladenketten produzieren.
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Do, 26. Mai 2005, 10:41

Dirty Harry hat geschrieben:
Am mangelnden Geld kann es wohl kaum liegen, laut einer neulich in der Zeitung veröffentlichten Statistik hat eine Familie mit Kind(ern) in Deutschland im Durchschnitt ein Nettoeinkommen von 37xx Euro im Monat.

Da frage ich mich: Sind Kinder inzwischen ein solches Luxusgut daß sie sich nur noch betuchte Familien leisten können oder wird bei uns auf extrem hohem Niveau gejammert.

Selbst wenn man 1000 Euro für Wohnung und 1500 Euro für sonstigen Lebensunterhalt abzieht bleiben dann ja immer noch 1200 Euro für reinen Konsum, was ich schon relativ komfortabel finde.


Oje da tun sich ja Abgründe auf 37xx Euro im Monat (Netto :lol:). Dann kann ich ja glücklich sein, bezüglich Geld-Verantwortlichkeit gut erzogen worden zu sein. Zum Glück haben meine Eltern mir 60 - 70 % ihres Nettoeinkommens verschwiegen (im Übrigen eine beeindruckende Leistung denn sie schaffen das sogar jetzt noch mit Erfolg). Nicht auszudenken was für ein niederschmetterndes Selbstwertgefühl ich haben würde, hätte ich das gewusst und würde nun den Blick auf meinen Gehaltscheck richten.

Achja und "ja" Kinder werden mehr und mehr zu Luxus. Leider war ich aber schon da :(. Da fällt mir ein vielleicht würde ich ja gar nicht existieren, hätten meine Eltern mehr Wert auf Selbstverwirklichung (und sei es nur "Teilnahme" am Berufsleben) gelegt.

Aber ich denke ich kann da eh nicht mitreden. Kenne eben kaum jemanden persönlich, dem das Geld bündelweise in den Arsch geschoben wurde/wird (und 37xx schlägt da schon bei weitem und definitiv aus meiner Sicht in diese "Kerbe") und mir über das Gefühl was man dabei empfindet berichten könnte.
Aber eine Frage hab ich doch: Darf ich dann jetzt jammern oder würde dass dann niveaulos sein? Und wenn ja wo hätte ich denn Erfolg mit dem Jammern? Bisher dachte ich immer das ich mit der Bezeichnung "Jammern auf hohem Niveau" gemeint wäre und konnte es eigentlich nie verstehen, denn ich jammere ja gar nicht :?.


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Do, 26. Mai 2005, 12:15

Also aktuelle Durchschnittsbruttolöhne kann man sich hier anschauen. Dass für die Durchschnittsfamilie mit Kindern (bei 154 € Kindergeld) derartige Nettoeinkommen rauskommen sollen ... das mag glauben, wer will.

Zum Regierungswechsel: Ich bin gar nicht so unglücklich darüber. Allein von Merkels/Stoibers/Kochs Anblick bekomme ich zwar Ausschlag, aber die Aussicht, dass bis auf Weiteres erstmal Bundestag und Bundesrat gleichfarbig sein werden, stimmt mich positiv. Außerdem darf mE nicht der positive psychologische Effekt unterschätzt werden, der von einem Regierungswechsel ausgeht (wie mir ein weises Forumsmitglied immer wieder eintrichterte, gell Alex? *gg*).

Und wenn ich mir die Politik der jeweiligen Parteien als solche anschaue ... bis auf Umwelt- und Energiebelange unterscheiden sich die Programme doch nur peripher. Viele der relevanten Entscheidungen werden schlicht und einfach von anderer Stelle diktiert. Sei es durch die angespannte Haushaltslage, starken Lobbyismus, außenpolitische Zwänge iwS oder, oder, oder.

Man nehme nur die Gesundheitsreform ... ob Kopfpauschale oder Bürgerversicherung, die Strukturprobleme, die nicht zu Letzt demographischer Natur sind, werden jedenfalls durch beide Varianten nicht gelöst. Es traut sich keiner zu sagen: es braucht irgendwann wieder den Schierlingsbecher, wenn nicht mehr Nachwuchs gezeugt wird.

Oder zur Arbeitslosigkeit: Wie will denn jemand allen Ernstes der harten, aber unausgesprochenen Wahrheit entgegenwirken, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen sukzessive überflüssig werden? Nämlich all diejenigen, die zum jeweiligen Zeitpunkt X weniger effektiv/kostengünstig arbeiten, als entsprechende Maschinen. Umso intelligenter bzw. preiswerter maschinelle Leistung wird, umso mehr steigt die Zahl derjenigen, die wir aus Produktionsgesichtspunkten nicht mehr benötigen, die als Konsumenten dann aber dem Markt nicht mehr zur Verfügung stehen ...
Zuletzt geändert von Nackter Onkel am Do, 26. Mai 2005, 12:23, insgesamt 4-mal geändert.
Cheers,
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Fr, 27. Mai 2005, 01:41

Dirty Harry hat geschrieben:
laut einer neulich in der Zeitung veröffentlichten Statistik hat eine Familie mit Kind(ern) in Deutschland im Durchschnitt ein Nettoeinkommen von 37xx Euro im Monat.

Das Journalisten üblicherweise keine Statistik können, zeigt sich auch hier wieder. Die genannte Zahl ist ziemlich nahe an dem durchschnittlichen Bruttomonatslohn für Angestellte. Das halbieren wir dann bitte (=1900), ziehen dann 600.- für die Miete in einer billigen, kalten, aber großen Altbauwohnung ab, und je Familienmitglied rechnen wir mal 300 Euro monatlich für Futter und Bekleidung, macht 1200.-. Es bleiben 100.- Euro, die typischerweise für den Betrieb des Automobils, Strom, Gas, und die Risikolebensversicherung ausgegeben werden - und dann ist auch schon wieder das Geld zuende und es ist noch reichlich Monat übrig.

Nee, nee... reich wird man mit normaler Arbeit nicht. Konnte man noch nie werden in der Menschheitsgeschichte.



Was mich ärgert ist der gewerkschaftliche Widerstand gegen Jobs mit niedrigen Löhnen. Natürlich ist es nicht wünschenswert, daß Menschen dauerhaft ein ganzes Arbeitsleben in Billigjobs verbleiben - aber man bedenke bitte, daß viele auch durchaus an einem Nebenjob interessiert sind. Die machen das sowieso - nur eben schwarz. Altenpflege beispielsweise ist normal einfach nicht bezahlbar, also ist die Branche fest in der Hand von Polinnen mit Touristenvisum. Das müßte doch gar nicht sein - machen wir solche Ausgaben doch mal steuerlich abzugsfähig wie Betriebsausgaben ohne diese ganze sozialdemokratische Regulierungswut, und sehen was passiert. Die Leute, die so etwas als Nebenjob machen wollen, haben plötzlich mehr Geld in der Tasche und die Binnennachfrage wird wieder anziehen. Über die höhere Nachfrage entsteht Wirtschaftswachstum, neue Arbeitsplätze, und das zentrale Problem unserer Sozialkassen und der steuerlichen Einnahmeprobleme würde schon mal gewaltig gemildert. Sowas löst nicht alle Probleme, aber man wäre doch schon mal einen kleinen Schritt weiter.
 
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Fr, 27. Mai 2005, 07:45

Da hier viele die 3700 Euro Nettodurchschnitt anzweifeln: Mir ging es genauso, aber dieser Wert kommt von einem renomierten Unternehmen und wurde in Leserbriefen in der Zeitung auch angezweifelt. Die Zeitung hat dazu ein bis zwei Ausgaben später nochmal Stellung bezogen und den Wert bestätigt und etwas erläutert. Es geht nur um Familien mit Kindern, und es ist alles eingerechnet. Also Einkommen (wenn man von einem Großteil Doppelverdienern ausgeht kann man den Wert als Einzeleinkommen ja schonmal halbieren), Kindergeld, Beteiligungen von Firmen, Eigenheimzulagen, Urlaubsgeld, Steuerrückzahlungen usw. d.h. daß Familien an sich insgesamt im Schnitt monatlich dieses Geld zur Verfügung haben, und nicht Einzelpersonen.

Im Radio wurde dieser Wert übrigens auch diskutiert und nochmal bestätigt.

@Ssnake: Wenn ich nicht Deine geschliffenen Ausführungen so schätzen würde könnte ich jetzt schreiben daß Spieleprogrammierer üblicherweise kein Deutsch lesen können ;-). Es ging um das durchschnittliche NettoEINKOMMEN und nicht um das was die durchschnittliche Familie am Ende des Monats übrig hat. Ich dachte mit den 1000 Euro für Miete und 1200 die ich wie Du für Unterhalt geschätzt habe wäre das klar. Wenn das Bruttoeinkommen 3800 Euro beträgt, kommt netto vielleicht noch 1900 heraus, wenn es aber eine Familie mit Doppelverdienern sind kommt man dann wieder etwa auf diesen Wert. (Natürlich nicht ganz, kommt auf die Steuerlast an, aber so ungefähr.) Dann noch Kindergeld (es ging nur um Familien mit Kindern), umgelegte Steuerrückzahlungen, Urlaubsgeld etc. dann ist man schon noch drüber. Einzelverdiener mit Familie liegen dann natürlich darunter.

Wie gesagt: ich habe das nicht erfunden, und der Wert stand auch nicht in der Bild, sondern in einer seriösen Tageszeitung (Stuttgarter Nachrichten).
Zuletzt geändert von Hattori Hanso am Fr, 27. Mai 2005, 07:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Fr, 27. Mai 2005, 09:45

Ssnake hat geschrieben:
Über die höhere Nachfrage entsteht Wirtschaftswachstum, neue Arbeitsplätze, und das zentrale Problem unserer Sozialkassen und der steuerlichen Einnahmeprobleme würde schon mal gewaltig gemildert. Sowas löst nicht alle Probleme, aber man wäre doch schon mal einen kleinen Schritt weiter.

Sowas will uns die FDP gerne weismachen, aber die Kette Wirtschaftswachstum -> neue Arbeitsplätze ist heute einfach nicht mehr gültig. Bei uns in D ist in diesem Punkt eh nicht mehr viel drin (mehr als 3-4% Wachstum sind selbst im besten Fall nicht möglich) und bei diesen Raten werden bei uns einfach nicht genug neue Arbeitsplätze geschaffen, um die weiter wegfallenden Stellen durch Produktivitätssteigerungen, Rationalisierungen etc spürbar zu übertreffen.

Schau mal nach Frankreich, einem Land, das unter genau den gleichen Problemen zu leiden hat, wie wir. Die haben dort ihr erhofftes deutliches Wirtschaftswachstum erreicht, allerdings mit dem Schönheitsfehler, dass daraus keine neuen Arbeitsplätze entstanden sind. Das Entsetzen in der Politik war groß, die Wirtschaftswissenschaftler waren ratlos und die Unternehmer haben sich ins Fäustchen gelacht.

Wenn es bei uns gut läuft, kommt man bestenfalls wieder auf vier Mio Arbeitslose runter, das war es dann aber auch schon. Probleme hat man damit rein gar keine gelöst. Diese wären nur durch massive Strukturreformen zu lösen, zu denen aber offensichtlich keine Partei den Mut hat.
 
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Fr, 27. Mai 2005, 09:48

@Harry:
Um ehrlich zu sein glaub ich nicht, dass Ssnake kein Deutsch lesen kann...nur mal so als Anreiz Ssnakes Aussage nochmal zu durchdenken...


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Fr, 27. Mai 2005, 10:21

Ssnake hat geschrieben:
Das Journalisten üblicherweise keine Statistik können, zeigt sich auch hier wieder.



:motz:
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