Mo, 29. Dez 2003, 11:12
Der kreative Prozeß Tolkiens war ja in der Regel, ausgehend vom Namen eines Wesens/Ortes/Dings Eigenschaften "herauszufinden" durch Ableitung von Wortstämmen und Assoziation mit gleichklingenden Worten (Homonyme). Ich nehme an, daß er in der deutschen Übersetzung - zumindest diejenigen, die er offiziell billigte (er konnte ja recht gut Deutsch) - versuchte, ähnliche Assoziationen beim Leser wachzurufen wie im Englischen. Dazu mußte dann ggf. auch mal ein Name abgeändert werden.
Nahezu alle Namen der Hobbits und der Orte im Auenland (The Shire) sind ja völlig anders, angefangen von Bilbo Beutlin (Bilbo Baggins) über die Stolzfußens usw. bis eben hin zu Kankra (Shelob). In der Regel finde ich diese Übersetzungen/Angleichungen auch sehr gelungen, obwohl ich sie nun gerade bei Kankra nicht unbedingt nachvollziehen kann.
Warum hat man die Namen nicht gleich als unübersetzbare Wortspiele unverändert gelassen?
Man darf nicht vergessen, daß Übersetzungen bis in die 80er Jahre nahezu vollständig die Übernahme von Anglizismen oder Originalpassagen zu vermeiden trachteten, weil in der Lesebevölkerung selbst grundlegende Englischkenntnisse nicht hinreichend fest verankert waren. Das ist mittlerweile zwar nicht mehr ganz so, aber mein Eindruck ist, daß viele mittlerweile eher überfordert werden (auch wenn es kaum jemand zugibt). Das Desaster neudeutscher Werbesprüche spricht da ja eine deutliche Sprache ("Kommen Sie herein und finden Sie wieder heraus.")