Abdiel hat geschrieben:...
Oft wurde hier über den Storygehalt diskutiert und ehrlich gesagt verstehe ich das nicht ganz. Vergleichen wir doch einfach mal die Handlungen: Im ersten Film wurde Neo von der Matrix abgekoppelt, dem Orakel vorgestellt und "erwacht" am Ende. Zwischendurch ist noch der Verrat von Cypher und die daraus entstehenden Kämpfe, das wars doch schon, oder? Im zweiten Film haben wir die Sache mit dem Angriff auf Zion und gleichzeitig die Suche nach dem Architekt (mit der Reihenfolge Quelle-Merowinger-Schlüsselmacher-Architekt), also sogar 2 Handlungsstränge. Damit hat für mich der Storygehalt keineswegs abgenommen!
Was gibt's daran nicht zu verstehen? Im ersten Film kommt noch das Mitfiebern beim Zuschauer dazu und diess diffuse Gefühl, als Neo erwacht. Die Handlung schafft es viel leichter den Zuschauer mitzureisen, lange Zeit im Unklaren zu lassen und einige überraschende Wendungen zu bieten, die gleichzeitig beim Zuschauer Raum für mögliche Überlegungen lassen.
Wo ist das im zweiten Teil? Hier bleiben nur Spekulationen übrig.
Der Angriff Zions geht unter und es gibt nur eine langweilige Senatsdebatte und ein noch langweiligeres Gespräch mit dem alten Senator. Handlungsmässig ist die Suche nach dem Architekten ebenfalls uninteressant, weil das Orakel und der Merowinger durch ihre unverständlichen Reden nichts beitragen, außer das Neo ein Ziel bekommt. Das Gespräch mit dem Architekten ist schließlich ähnlich gehaltlos angelegt (weil es einfach keinen Sinn macht). Eigentlich reduziert sich der Film nur auf Actionszenen.
Diesmal gehts es eben um gänzlich andere Dinge, die das Matrixuniversum noch viel komplexer gestalten. Eigenständige Programme, die in der Matrix Ihren eigenen Interessen nachgehen, Hintertüren die ganz neue Möglichkeiten der Bewegung bieten und auch die beiden Gegenpole Architekt-Quelle für den Aufbau einer Scheinwelt, die von den Menschen auch akzeptiert wird; das alles sind Dinge die eine unglaubliche Tiefe in diesen Film bringen. Ehrlich gesagt habe ich den Streifen auch fast nur aus diesem Blickwinkel betrachtet.
Komplexer? Eher unverständlicher.
Die eigenständigen Programme nehmen imho viel vom Reiz der allmächtigen und alles umfassenden Matrix.
Natürlich ist Zion real! Der Architekt hat auch das erklärt, genau wie die "Anomalie" des Auserwählten, welcher kein Programm ist. Vielmehr fördern die Umstände in der Matrix die Ausbildung eines solchen Charakters. Vielmehr stelle ich mir die Frage, wie man einen Neustart, wie er angesprochen wird, realisiert? Wird mal schnell ein Bildschirmschoner aktiviert, während das System den Neustart durchführt?
Wie kann es real sein, wenn Neo ein paar Wächter mit seiner "Macht" aufhält? Für mich ein Indiz, dass der Architekt zum Teil nur das erzählt, was Neo hören sollte (wie beim Orakel im ersten Teil).