Nachdem Siedler-Erfinder Volker Wertich bei der Entwicklung des neuesten Teils mit Ubisoft doch wieder raus war, dachte er sich offenbar: Dann mache ich eben mein eigenes Siedler - ohne Blackjack und Nutten.
Die Pioneers waren 2 Jahre im Early Access und sind im Dezember mit Kampagne offiziell erschienen. Ich habe in meinem heute endendem Weihnachtsurlaub die ersten 5 von 7 Missionen der Kampagne gespielt, was 27 Stunden dauerte. Die werden echt lang und manchmal ziehen sie sich zum Ende etwas, aber an sich finde ich das echt gut. Es gibt natürlich auch ein Freies Spiel und Szenarien, aber ich habe dann doch lieber klare Ziele und ein Gefühl für Progression, als ziellos zu siedeln. Aber trotzdem macht es natürlich am meisten Spaß, seine Siedlung immer größer aufzuziehen, statt alle 2 Stunden dieselbe Startphase spielen zu müssen.
Und wie spielt es sich? Wie Die Siedler von früher, aber konsequent weiterentwickelt. Es gib viele der klassischen Ressourcenabbau- und Verarbeitungsbetriebe, aber von allem noch viel mehr als früher. Zur Herstellung von Werkzeug und Waffen gibt es: Werkstatt (verarbeitet Kupfer und Holz), Holzwerkstatt (Holz und Seil, welches in der Weberei aus Flachs gewonnen wird), Eisenwerkstatt (Eisen und Holz), Eisenschmiede, Stahlschmiede, Kunstschmiede und Juwelier (letztere verarbeiten Edelsteine, von denen auch mehrere Arten unterschieden werden). Und wenn ich Holz sage, meine ich Laubholz, denn Nadelholz ist für den Gebäudebau. Es gibt auch Wohnhäuser für die Träger, die zudem mit Nahrung versorgt werden müssen, damit es Nachwuchs gibt. Genauer gesagt essen sie Genussmahlzeiten, für den Bergbau braucht es dagegen Stärkungsmahlzeiten, Entdecker und Schatzsucher haben wiederum Proviant dabei. Das ist manchmal schon übertreiben kleinteilig, aber das Interface ist echt clever und bietet alle nötigen Informationen. Die Kampagne führt die ganzen Elemente zudem langsam ein. Weniger übersichtlich ist der Militärpart, auf dem in der Kampagne etwas viel Fokus liegt (im Freien Spiel kann man Gegner abschalten). Es gibt zahlreiche Truppentypen (in mehreren Stufen) und verschiedene Gegner, gegen die sie jeweils besonders effektiv sind. Das fängt bei Dieben an, die sich tarnen und nur von Waldläufern erkannt werden können, und geht bis zu Geistern und Werwölfen. Feindliche Dörfer gibt es nicht, aber mit freundlichen kann man handeln.
Optisch finde ich das ganz schick, es wuselt sehr viel und man kann nah ranzoomen und allerhand putzige Animationen und Details erkennen. Die maximale Zoomstufe könnte gerne noch weiter weg sein. Die Story wird nur in Textboxen erzählt und ist nicht der Rede wert. Musik wird nur spärlich eingesetzt, das finde ich etwas schade.
Also alles in allem nervt es mich hier und da, aber eigentlich bin ich echt zufrieden damit. Ich habe vor allem Die Siedler 2 und 7 gerne gespielt, und das ist eine gelungene Weiterentwicklung, wie ich es mir erhofft hatte. Nach aktuellem Stand: 8.0
