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ButtSeriously
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The Passion of the Christ

Sa, 20. Mär 2004, 00:11

Ich vermute jetzt einfach mal, daß niemand sonst hier ein sonderliches Verlangen verspürt, diesen Film zu sehen, und vermutlich ist das auch gar nicht so schlecht. ;)
Ich war nach dem ganzen Kontroversen-Geplärr allerdings doch ziemlich neugierig geworden und habe mir Mel Gibsons Blut-und-Glauben-Epos daher mal angesehen - womit die Kritiker wohl genau das Gegenteil von dem erreicht haben dürften, was sie wollten.

Tatsächlich hätte ohne das gewaltige Medien-Echo wohl kaum jemand diesen kleinen Independent-Streifen beachtet, und würde der Film nicht auf einem religiösen Mythos basieren, hätte es eben jenes Echo sicher auch nicht gegeben.

"The Passion of the Christ" ist für mein Empfinden nicht mehr und nicht weniger als ein ziemlich langweiliger, überdehnter und schon fast grotesk brutaler Film von durchschnittlicher Klasse. Wie schrieb jemand doch so passend: Der erste religiöse Splatter-Film.
Obwohl Mel Gibson bei so manchem Zuschauer immer wieder an die Grenzen des Brechreizes gehen dürfte, ließ mich das Geschehen auf der Leinwand ziemlich kalt. Vermutlich liegt es an der arg schwachen Gesamtdramaturgie: Wenn man will, daß die Zuschauer mit dem Protagonisten leiden, dann sollte man ihn besser vorher als Menschen aufbauen. Doch Jesus in "Passion" bleibt flach, nichtssagend und blass. Gibson scheint kurzerhand davon auszugehen, daß dem Zuschauer diese Figur schon etwas bedeutet, bevor er den Kinosaal betritt. Das mag für tiefreligiöse Christen auch so sein, und vielleicht finden sie den Film deutlich ergreifender. An einem Atheisten wie mir zog diese endlose cineastische Blutspur aber ziemlich wirkungslos vorüber - da haben viele andere Werke mit einem zehntel der Gewalt zehnmal so viel erreicht.

Was für mich bleibt, ist ein handwerklich solider, aber schleppender Film, bei dem ich nicht so recht weiß, worum eigentlich das ganze Gewese gemacht wurde. Aber das drehte sich ja ohnehin um die Frage: Ist der Film antisemitisch? Ich persönlich empfand das nicht so, möchte aber nicht ausschließen, daß gewisse Kreise ihre Vorurteile bestätigt finden. Allerdings finden solche Leute sich ohnehin durch fast alles bestätigt, weshalb das nicht viel heißen will. Wer als Nicht-Antisemit in den Film hineingeht, wird sicher auch als ein solcher wieder herauskommen. ;)

Mein persönliches Fazit lautet daher: Viel Wind um nichts, aber dafür kann man mal wieder sehen, daß eine schöne, saftige Kontroverse genug Treibstoff liefert, um aus einem eher durchschnittlichen Streifen einen der erfolgreichsten Independent-Filme aller Zeiten zu machen. Der beste "Bibel-Film" ist und bleibt für mich "The Life of Brian" - traurigerweise vermutlich auch keine weniger akurate Darstellung der historischen Person Jesus. ;)

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Sa, 20. Mär 2004, 01:05

Stimme dir voll zu.

Mit 30 Millionen $ die Mel alleine aus seiner eigenen Tasche in den Film investiert hat, würde ich den Film allerdings nicht unter die Kategorie "Independent" einordnen.

In meinen Augen ist der Film nur ein weiterer Beweis, wie tief die Amerikaner gesunken sind. Irgendein Idiot, der vorher Action-Filme gedreht hat und damit Millionär geworden ist, wird plötzlich bekehrt und dreht ein Splattermovie mit Jesus als Protagonist. Und alle Amerikaner sind begeistert. Da wird einem angst und bange.
 
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Sa, 20. Mär 2004, 10:46

Also ein antiamerikanisches Statement wollte ich jetzt eigentlich nicht machen :roll:
Bevor wir Deutschen immer über die US-Bürger herziehen, sollten wir uns lieber an die eigene Nase fassen, zumal das Kino, in dem ich gestern war, auch nicht gerade leer blieb, sondern mit einigen heftig schluchzenden Leuten gefüllt war. Davon abgesehen habe ich auch gar kein Problem damit, wenn jemand den Film gut findet - man sollte auch den Amerikanern das Recht auf den Kulturrelativismus zugestehen, den man ihnen immer abverlangt.

Und ein Independent-Film ist ganz einfach ein Streifen, der ohne Studio-Unterstützung finanziert wurde, und das trifft auf "Passion" definitv zu. Ich weiß, daß dies vielen Leuten nicht paßt - da somit z.B. auch die neuen Star Wars Filme in diese Kategorie fallen - aber Independent ist nur ein Label für eine Produktionsform, auch wenn einige Leute daraus immer ein moralisches Statement machen wollen...

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Sa, 20. Mär 2004, 10:56

Ich habe geschrieben: "In meinen Augen" nicht "In deinen Augen". Genau hingucken.
 
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ButtSeriously
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Sa, 20. Mär 2004, 10:57

Habe ich schon gesehen. Kam aber so kurz nach "Stimme dir voll zu", daß mir Zweifel kamen...

Grüße von
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Sa, 20. Mär 2004, 10:58

ray hat geschrieben:
Mit 30 Millionen $ die Mel alleine aus seiner eigenen Tasche in den Film investiert hat, würde ich den Film allerdings nicht unter die Kategorie "Independent" einordnen..


Hm... Ich weiß jetzt nicht genau, wann ein Film als "Indpendent" zählt, aber würde die Tatsache, dass Mel Gibson den Film aus eigener Tasche finanziert hat, nicht schon ausreichen, um ihn entsprechend zu klassifizieren? Schließlich bedeutet das Wort ja "unabhängig", und ich denke nicht, dass man das an Geldbeträgen festmachen kann.

edit: Das hat sich mittlerweile wohl auch erledigt. Das kommt davon, wenn man sich mit dem Posten so viel Zeit lässt. ;)

Über den Film selbst kann ich nichts sagen, da ich ihn nicht gesehen habe und das auch nicht vorhabe.
 
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Sa, 20. Mär 2004, 15:12

Ich hab' darüber gar nicht mal sooo viel gehört. Einer aus meinem Religionskurs wollte unsere Lehrerin zu einem Kinobesuch überreden, aber die meinte ( ich finde auch zurecht ),dass sie so einen "abartigen" Film nicht mit einem 14 Jahre alten Religionskurs angucken wolle. Ein Freund meiner Schwester hat ihn sich aber angesehen: er fand ihn einfach nur übertrieben hart, man muss sich ja nicht eine auspeitschung in allen Details antun. ich finde es aber etwas lächerlich, dass der Film ab 16 ist, und dann Filme wie z.b. The Rock in voller Fassung ab 18 sein soll.
Ich finde deine Beschreibung von dem "Mitfühlungsbogen", Buttseriously, recht passend, wenn ich um eine Hauptperson trauere, dann muss sie mir erst einmal "ans Herz wachsen". Im Beipiel The Rock hat es mich zum Beispiel total fertig gemacht, als Hummel gestorben ist, obwohl er einfach nur eine Kugel bekommen hat und nicht stundenlang gefoltert wurde.
 
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Sa, 20. Mär 2004, 17:26

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