
Es gab jedenfalls schon die ein oder andere Situation, in der ich mit scheinbar brillantem Allgemeinwissen angeben konnte, nur um nachher auf die Frage "Woher weisst du das nur?" kleinlaut "Aus'm Mickey Mouse" antworten musste.

Unten findet sich noch -als Spoiler markiert, da es sich um dummes Gelabere, wenn auch ohne Smiley, handelt- ein Text, den ich auf Grund frustrierender Erfahrungen als Moderator in einem Kunstforum vor zirka drei Jahren für Poprentner geschrieben habe. Heute bin ich der Auffassung: Egal wann, wie und wo, die Sitten ähneln sich in allen Foren und Aufregung bringt nix. Have fun.
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Internet abschaffen
Das Internet erfüllt die Aufgabe, welche früher Rhetorikkursen zukam. Habe selbst noch an keiner derartigen Schulung teilgenommen, aber man hört immer wieder, wie den Menschen dort Sprechen, Argumentieren und Streiten beigebracht wird. Egal in welche Richtung die Zielsetzung der Veranstalter weisen mag, sie weicht garantiert von der der Teilnehmer ab. „Mein Chef/mein Mann/mein Kind hat immer das letzte Wort, jetzt gibt’s eine drauf!“ erscheint mir ein realistischer Anspruch. Dass verbales Karate dann nicht unbedingt mit fairen Mitteln arbeitet, liegt auf der Handkante respektive Zunge. Wer zu dumm ist Fragen zu verstehen - vom Beantworten soll erst mal nicht die Rede sein -, gibt sie einfach zurück. Ausweichen, tarnen, täuschen und missverstehen.
Auf „Du bist nichts als ein winziges Arschloch!“ empört zu skandieren „Jetzt diskriminierst du auch noch kleine Menschen!“ mag noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Aber um schlüssige Weisheit geht es gar nicht. Der Kampf ist das Ziel, wie bei Olympia. Nur gilt hierfür eines der zutreffenderen Netzsprichwörter:
“Arguing on the Internet is like running in the Special Olympics. Even if you win, you're still retarded”.
Und selbst das ist letztendlich unpräzise. Denn oben Gesagtes mag eben noch für mongoloide Langlaufdisziplinen gelten. Das Internet entspricht aber eher einem 50m Schwimmsprint im elektrischen Rollstuhl. Gleichgewichtige Kontrahenten sinken in atemberaubende Niveautiefen während sie blubbernd Diskussionen in Form von Parallelmonologen zelebrieren. Der zähe Speichel des Dumpfgesülzes schwappt auch denen entgegen, die den Kombattanten vom Beckenrand gut gemeinte Tipps zurufen. Eben solche Menschen, die der absurden Vorstellung folgen, es ginge hier um das Erreichen eines Ziels. Friedensstiftende Äußerungen wie „Bleibt sachlich!“ werden gluckernd in „Jetzt werden wir schon zu Objekten degradiert!“ uminterpretiert. „Hack’ nicht auf ihm rum!“ entlockt keine Dankbarkeit des zu Schützenden, der antwortet vielmehr: „Denkst du Arsch, ich kann mich nicht selbst wehren?!“ Solange es nur darum geht grenzdebilen Piranhas keine Rettungsringe zuzuwerfen, mag die Situation noch beherrschbar erscheinen. Doch wenn einen erst mal selbst der Strudel erfasst, werden Alternativen knapp: Mitspielen? Schweigend untergehen? Oder gar intelligente Argumente an Teflonhirne schmettern? Wohl weniger. Man sollte es mit Jay und Silent Bob halten … leider fehlt mir persönlich das Geld für all die Flugtickets. Solange es der Mehrheit der Menschen genauso geht, bleibt nur eine Lösung: Schafft das Internet ab.
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